Ein Leser schickt mir ein Zitat aus der Zeitung, für die ich noch nie im Leben einen Cent ausgegeben habe und niemals einen ausgeben werde: BILD
Dort steht tatsächlich: „Neue Zahlen zeigen, dass Beschäftigte und Betriebe heute rund 60 Milliarden Euro pro Jahr mehr in die Sozialsysteme einzahlen als vor 20 Jahren! Arbeit wird immer stärker belastet. Bäcker, Handwerker und Ökonomen schlagen Alarm und sprechen von einer „Todesspirale“ für Jobs und Wohlstand.“
Wie die BILD-Macher auf 60 Milliarden kommen, weiß ich nicht, aber die Zahl scheint mir sehr niedrig. Doch auf diese Zahl kommt es gar nicht an. Die „Belastung“ von Arbeit (wenn überhaupt von einer Belastung die Rede sein kann) kann man ernsthaft nur daran messen, wieviel vom aktuellen Einkommen für Sozialabgaben und Steuern ausgegeben wird. Nur diese Prozentzahl kann etwas über Belastung sagen, aber niemals eine absolute Zahl wie die ominösen 60 Milliarden.
Wie sich die Abgabenbelastung entwickelt hat, kann man jederzeit und zeitnah beim Bundesminister der Finanzen nachlesen. Beiliegend ein Ausschnitt der relevanten Tabelle von 2005 bis 2025. Alle Angaben sind in Relation zum BIP ausgedrückt, also zum gesamtwirtschaftlichen Einkommen. Es gibt verschieden statische Abgrenzungen, betrachten wir nur die ersten drei Spalten, das ist die Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Die erste Ziffer ist die Gesamtabgabenquote, die zweite die Steuerquote und die dritte die Sozialabgabenquote.
Die Steuerquote ist von 21,1 im Jahr 2005 auf 23,2 gestiegen, es gibt aber über die 20 Jahre immer wieder Jahre, wo sie schon so hoch oder höher lagen wie zuletzt: etwa 2014 bis 2019. Die von den Bild-Machern genannte „Todesspirale“ besteht aus dem Anstieg der Sozialabgabenquote von 17,3 im Jahr 2005 auf 18,4 im Jahr 2025. In den zwei Jahren zuvor lag die Quote noch bei 16,8 (2023) und 17,5 (2024).
Wie hier zuletzt gezeigt, ist aber kein Anstieg dieser Art es wert, darüber überhaupt zu diskutieren. Die Schlussfolgerungen, die mit irgendeinem Anstieg verbunden werden, sind durch die Bank unhaltbar. Das Einkommen, das zum Staat und zu den Sozialversicherungen fließt, geht ja nicht verloren, sondern wird an anderer Stelle wieder ausgegeben. Mit „Jobs und Wohlstand“ hat das überhaupt nichts zu tun.
