Vielleicht kennen Sie Kristalina Georgieva nicht. Das ist kein Schaden. Die Frau, die aus Bulgarien stammt und schon Kommissarin in Brüssel war, ist seit einigen Jahren schon die Chefin des IWF in Washington, hat aber bisher durch wirklich nichts auf sich aufmerksam gemacht. Nun war sie in offizieller Mission in Europa und hat sich auch zur europäischen Wirtschaft geäußert.
In der FAZ wird sie folgendermaßen zitiert: „Die Zahlen zeigten, dass sich die Wirtschaftslage sicher nicht sehr schnell bessern werde, sagte Georgieva. Die Eurostaaten benötigten deshalb ein fiskalisches Polster für den Fall, dass sich die Lage weiter verschlechtere“. Wörtlich: „Die Eurostaaten sollten sparsam wirtschaften. Das gilt zwar immer. Sie sollten aber vor allem kein Geld ausgeben, das sie nicht haben“.
Wenn sie das gesagt hat, ist das exakt das Niveau der Zeitung mir den großen Buchstaben, deren Namen ich nicht schon wieder in den Mund nehmen will. Dort hieß es einmal: Der Italiener will Geld ausgeben, das er nicht hat. Ja, so ist es, weil es idiotischerweise auf dieser Welt immer welche gibt, die Geld haben, das sie nicht ausgeben, muss es welche geben, die Geld ausgeben, das sie nicht haben. Da ist die schwäbische Hausfrau – und offensichtlich auch die bulgarische – platt.
Ich habe dieses Zitat von Georgieva nicht direkt gefunden, aber ich habe mir bei der Gelegenheit die fünf Minuten angehört, in denen sie in Luxemburg ein Pressestatement vorliest, das von der europäischen Wirtschaft handeln soll und „A stronger europe for tougher times“ überschrieben ist. Es lohnt, das kurze Stück einmal anzuhören. Das Gestammel, das man da sieht und hört, kommt von der Person, die die wichtigste ökonomische Position, die diese Welt zu vergeben hat, derzeit und noch für einige Jahre besetzt!
Wer den Job beim IWF (der traditionell immer an eine europäische Person vergeben wird) beherrscht, kann einen unglaublich großen Einfluss auf die Weltwirtschaft ausüben. Aber es ist offensichtlich: Da muss man bei Georgieva nicht befürchten. Sie reist um die Welt und liest belanglose Zettel vor, die ihr die Beamten aufgeschrieben haben.
Man merkt: Europa ist einfach klasse! Die wichtigste Position, die für Europa auf dieser Welt zu vergeben ist, wird nach irgendwelchen Kriterien besetzt. Sicher ist nur, dass die Qualifikation dabei vollkommen unwichtig ist. Wo kämen wir dahin, wenn Menschen auf Positionen kämen, die wirklich etwas zu sagen haben? Man stelle sich vor, die Chefin des IWF wüsste, dass das mit der schwäbischen Hausfrau nicht so ganz einfach ist. Nicht auszudenken. Sie träfe auf Merz, von der Leyen und Lagarde und müsste denen mühsam erklären, was Volkswirtschaftslehre wirklich bedeutet.
Das wäre eine geistige Revolution. Und genau das, geistige Revolutionen, können wir uns wirklich nicht leisten. Lieber gehen wir mit Maus und Mann unter, als zuzulassen, dass unser fester Glaube an die einfachen Wahrheiten durch logische Mätzchen in Frage gestellt wird.