Sparen ohne Ziel – In der Rentenpolitik wird das logische Denken konsequent über Bord geworfen

Der Konsens in der deutschen Rentenreformdebatte ist nah. Fast alle sind sich einig, dass mehr private Vorsorge betrieben werden muss, soll die Rente auch in Zukunft sicher sein. Die Rentenkommission schlägt vor, jeden Arbeitnehmer zu verpflichten, zwei Prozent zusätzlich anzusparen. 

Hier der Originaltext:

Zwei Prozent ihres Einkommens sollen die Arbeitnehmer in Zukunft zusätzlich zu den bisherigen Rentenbeiträgen aufbringen, um für ihre Alterssicherung angemessen vorzusorgen. Ein Prozent davon soll von den Arbeitgebern gezahlt werden.

Aber was ist „zusätzlich“. Erstaunlicherweise spricht niemand davon, wieviel der durchschnittliche Arbeitnehmer am Ende insgesamt sparen soll, um dem Vorsorgegedanken Rechnung zu tragen. Die Sparquote der privaten Haushalte, also der Anteil des Einkommens, das nicht ausgegeben wird, liegt derzeit bei 11 Prozent.  

Wenn die ganze Philosophie des Ansparens einen Sinn machen soll, dann muss die Regierung doch darauf beharren, dass die Arbeitnehmer in Zukunft 13 Prozent ihres Einkommens sparen. Das aber sagt niemand. Wie schon vor über 20 Jahren beim Riester-Sparen legt sich niemand fest. Aus guten Gründen. Die realisierte Sparquote der privaten Haushalte ist ein bewegliches Ziel. Wer aber jetzt nicht sagt, welche Sparquote er wie am Ende erreichen will, sagt in Wirklichkeit gar nichts.

Auch mit dem Zwang zum zusätzlichen Sparen kann man nichts erreichen. Niemand kann den Haushalten verbieten, ihre bisherige Ersparnis um zwei Prozent herunterzufahren, wenn der Staat sie zwingt, zwei Prozent „zusätzlich“ zurückzulegen. 

Was tut die Regierung, wenn die Arbeitnehmer die Sparquote trotz Zwang auf dem jetzigen Niveau von 11 % halten? Dann gibt es selbst im Sinne der Regierung keinerlei zusätzliche Vorsorge. Wird dann hart durchgegriffen und jedem Menschen eine Sparquote vom Staat verordnet?

Da bleibt uns nur der Trost, dass die privaten Haushalte in dem Fall immerhin verhindert haben, dass das untaugliche Konzept der Rentenkommission überhaupt zum Tragen kam. Wenn sie nämlich ihre Sparquote tatsächlich auf 13 Prozent erhöhen würden, wäre alles noch viel schlimmer. Elf Prozent Sparquote bedeuten schon 275 Milliarden Euro pro Jahr, die einen Schuldner suchen (wie hier erklärt). 

Dreizehn Prozent Sparquote bedeuten noch einmal 55 Milliarden pro Jahr zusätzlich, für die ein Schuldner gefunden werden muss, wenn die deutsche Wirtschaft nicht noch tiefer in den Sumpf geraten soll. Wer soll die zusätzlichen Schulden machen? Da die deutschen Unternehmen selbst Nettosparer sind, bleibt nur das Ausland und der Staat. 

Soll Deutschland „nach schwedischem Vorbild“ noch höhere Leistungsbilanzüberschüsse machen, obwohl der größte Handelspartner und sein Präsident (zu Recht, wie hier erklärt) alles tun, um die Auslandsverschuldung der USA nicht noch weiter steigen zu lassen. 

Bleibt nur der Staat. Nur wenn der deutsche Staat jedes Jahr 55 Milliarden an zusätzlichen Schulden macht, können die privaten Haushalte 55 Milliarden zusätzlich sparen, ohne die wirtschaftliche Lage weiter zu verschlechtern. Ist das die von den Advokaten der Kapitaldeckung erhoffte Vorsorge für die Zukunft?