Das Statistische Bundesamt hat es schon wieder getan. Nachdem das Amt die deutsche Öffentlichkeit und die Politik drei Jahre lang mit ihren Berechnungen des Bruttoinlandprodukts (der gesamtwirtschaftlichen Produktion) in die Irre geführt hat (wie hier u.a. gezeigt), veröffentlichte es vor einigen Tagen eine „vorläufige Rechnung“, die zeigen soll, dass das BIP (saisonbereinigt) im ersten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2025 gestiegen ist (hier zu finden).
Nun kommt heute die erste wirkliche belastbare Produktionszahl für das erste Quartal an die Öffentlichkeit und, siehe da, die hat mit der BIP-Zahl nichts zu tun. Die Produktion im produzierenden Gewerbe, das sind die Produktion in der Industrie und in der Bauwirtschaft, ist nämlich vom vierten Quartal 2025 zum ersten Quartal dieses Jahres um 1,2 Prozent gesunken. Da die Produktionszahlen immer mit einer gewissen Verzögerung veröffentlicht werden (so Anfang Mai für den Monat März), kann man erst ab heute klar sehen, was in den Bereichen im ersten Quartal passiert ist, die wirklich gut dokumentiert sind.
Das Ergebnis ist für die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland absolut katastrophal. Der Produktionsindex für das produzierende Gewerbe (hier zu finden) ist von 92,2 (Basis ist 2021 = 100) im ersten Quartal 2025 über 91,6 (im 2. Quartal 2025) und 91,0 (im 3. Quartal 2025) gefallen. Die einzige Belebung gab im 4. Quartal 2025 mit einem Anstieg auf 92,1. Jetzt ist er wieder auf 91.0 gefallen. Das heißt, es gibt nicht nur keine Belebung, sondern es droht unmittelbar ein neuer Rückfall in die Rezession.
Das zeigt sich auch bei der Entwicklung von Arbeitslosigkeit, Erwerbstätigkeit und offenen Stellen. Das sind die Indikatoren, die ebenfalls frühzeitig zur Verfügung stehen und sogar die gesamte wirtschaftliche Entwicklung abbilden, also nicht nur die wichtigsten Teile wie der Produktionsindex. Bei der Erwerbstätigenzahl ist die Entwicklung besonders klar. Mit 46 017 Tsd., (also 46. 017 Millionen) war im ersten Quartal 2025 ein Höhepunkt erreicht. Danach ging es abwärts mit 46 011, dann 45963 und schließlich 45 920 im vierten Quartal 2025. Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Zahl weiter auf 45 859 gefallen, es sind also mehr als 60 000 Erwerbstätige weniger als im vierten Quartal beschäftigt gewesen. Das ist der stärkste Rückgang in diesem Zeitraum. eine solche Zahl spricht unzweifelhaft für massive wirtschaftliche Schwäche, einen Produktionseinbruch (wie ihn die Produktionsstatistik zeigt) und nicht für eine Belebung, wie sie von der vorläufig berechneten BIP-Zahl vorgegaukelt wird.
Die unerträgliche Leichtigkeit, mit der das Bundesamt erneut „vorläufige“ Hoffnungszeichen verbreitet, die nach einiger Zeit korrigiert und vermutlich in ihr Gegenteil verkehrt werden, ist durch nichts zu rechtfertigen. Es ist nur dem vollkommen unkritischen deutschen Journalismus zuzurechnen, dass die massive Korrektur der vorläufigen Berechnungen im vergangenen Jahr praktisch ohne öffentliches und politisches Aufsehen erfolgte. Offensichtlich fühlt sich das Amt dadurch ermutigt, erneut „sein Glück“ zu versuchen. Wird hinterher korrigiert, interessiert sich kein Mensch mehr für die Frage, was mit den offenkundig fragwürdigen Zahlen bezweckt wurde. Der Haltungsjournalismus spielt wieder genau denen in die Karten, die er klein halten will. Das ein Trauerspiel zu nennen, wäre fahrlässig, es ist ein Narrenspiel.