Die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute haben eine lange und unrühmliche Geschichte in Sachen Investitionen vorzuweisen, wie ich viele Male in den letzten Jahren und zuletzt im September vergangenen Jahres hier gezeigt habe.
In der Prognose, die heute erschien, haben sie nun gemerkt, wie weit sie im Herbst danebenlagen. Wurde vor einem halben Jahr noch erwartet, dass die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen in diesem Jahr um 3,9 Prozent zulegen, fällt die Prognose jetzt mit 0,5 Prozent doch erheblich geringer aus (Abbildung). Und das hat nicht viel mit der aktuellen Krise zu tun, weil alle aussagekräftigen Indikatoren auch schon im Januar und Februar eine fortgesetzte konjunkturelle Schwäche angezeigt haben.

Nach absoluten Rückgängen in den Jahren von 2023 bis 2025 (jeweils die graue Linie mit der Zahlenangabe) sind plus 0,5 Prozent eine Fortsetzung der gravierenden Investitionsflaute. Die Zahl für 2027 kann man einfach ignorieren, es ist der übliche optimistische Ausblick, für den es keine Begründung gibt (und auf den man verzichten sollte, weil jede Prognose über zwei Jahre Spökenkiekerei und schlicht unwissenschaftlich ist.
Die Graphik bis 2026 zeigt aber in aller Klarheit das Elend der deutschen Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftspolitik. Vier Jahre Rückgang und Stagnation bei der wichtigsten Art der Investitionen. Seit 2022 ist Rezession in Deutschland, die allerdings alle professionellen Prognostiker, Institute wie Sachverständigenrat, drei Jahre lang verschlafen haben (wie hier gezeigt).
In einer Rezession, das ist leicht zu verstehen und nachzuvollziehen, investieren die meisten Unternehmen nicht. Wer selbst die vorhandenen Anlagen nicht auslastet, investiert nicht in neue Anlagen. Nachfrage und Konjunktur sollten die Schlagworte der Stunde sein, nicht Sozialstaat oder Steuern.
Doch diese einfache Erkenntnis darf es auch jetzt noch nicht geben. Weil sich der deutsche „Wirtschaftswissenschaftler“ in erster Linie als Verteidiger einer ideologischen Position versteht und nicht als Wissenschaftler, kann er trotz grandioser Fehlprognosen nicht zugeben, dass Rezession Nachfragemangel indiziert, sonst nichts. Ich werde mir das „Gutachten“ noch einmal genauer ansehen, aber die Pressemeldungen bestätigen erneut, dass ein ruhiges vorurteilsfreies Urteil nicht die Stärke dieser Kollegen ist.