Heute ist an „den Märkten“ etwas sehr Interessantes passiert.
Um fast genau 12 Uhr mittags ist der deutsche Aktienindex durch die Decke gegangen und hat innerhalb weniger Minuten 1300 Punkte oder über fünf Prozent gewonnen.
Zur exakt gleichen Zeit ist der Ölpreis um über zehn Dollar pro Barrel und damit über zehn Prozent gesunken.
Was war geschehen? Genau zu dem Zeitpunkt hat Donald Trump verkündet, dass er mit dem Iran verhandelt und doch keine Ölanlagen im Iran zerstören wird. Das machte Hoffnung, dass eine ganz große Krise vermieden werden kann.
Was aber bedeutet es, wenn ein Politiker mit einigen Worten, die in Sachen Iran nicht einmal verifiziert waren, so verschiedene Märkte so massiv bewegen kann?
Es bedeutet, dass die Preise an einem Markt wie dem für Rohöl offensichtlich den gleichen Kräften ausgesetzt sind wie die Preise an einem rein spekulativen Markt wie der Aktienbörse. Das bedeutet auch, dass die Ölpreise über Wochen und Monate nichts mit Angebot und Nachfrage nach Öl zu tun haben. Die Preise an finanzialisierten Rohstoffmärkten werden von den gleichen Informationen getrieben, die auch die Aktienmärkte bewegen. Die Akteure dort sind nicht Ölhändler, sondern normale Spekulanten, die sich – wie an den Kapital- und Geldmärkten an „news“ orientieren, aber nicht am physischen Angebot von Öl und der Nachfrage nach wirklich vorhandenem Öl.
Die Preise an solchen Märkten sind tatsächlich, wie ich in einem Gutachten zu meiner Zeit bei UNCTAD gezeigt habe, über so lange Zeit von den realen Gegebenheiten entkoppelt, dass Menschen verhungern können, bevor der Markt wieder zu einem halbwegs vernünftigen Preisniveau zurückfindet. Auch in meinem Grundlagenbuch finden sich dazu weitergehende Erläuterungen.
Das bedeutet auch, dass die ganze Diskussion um Ölpreise, bei der so getan wird, als gäbe es heute schon eine physische Knappheit, die sich in den steigenden Preisen an den Tankstellen widerspiegelt, neben der Sache ist. Derzeit ist alles Spekulation: Der Ölpreis selbst und seine Weitergabe an den Endkunden durch die Mineralölkonzerne. Kompetente Politik wüsste das und würde einschreiten, weil die Finanzialisierung der Rohstoffmärkte niemandem nützt außer eben den Spekulanten. Man könnte diese Art der Spekulation glatt verbieten, ohne dass irgendein Schaden für die Realwirtschaft auftreten würde.