Bert Rürup: Keynesianische Konjunkturpolitik versagt – obwohl man sie gar nicht versucht hat. Angebotspolitik ist die Lösung – obwohl es unmöglich ist.

Bert Rürup ist ein Meister des Kurzschlusses. Genau deswegen ist der Mann, der sich vor Urzeiten sogar einmal als Sozialdemokrat ausgab, seit Jahrzehnten bei den herrschenden Parteien so beliebt und ist immer noch der „Chefökonom“ des Handelsblattes. Einen klassischen Kurzschluss hat er gerade in einem Artikel über Deutschland und Japan abgeliefert. Dank an den Leser, der mich darauf hingewiesen hat.

Nachdem er lange hin- und her gewogen hat, was Deutschland und Japan jeweils tun können, um ihre Wachstumsschwäche zu überwinden, kommt er für Deutschland zu einem überraschenden Ergebnis:

„Bislang gibt es keine validen Anzeichen, dass Deutschland seine persistente Wachstumsschwäche, die 2019 einsetzte, allein durch mehr öffentliche Investitionen überwinden kann. Wenn aber keynesianische Konjunkturpolitik versagt und eine Abwertung der Währung ausscheidet, bleibt der Bundesregierung wenig anderes übrig, als mit klassischer Angebotspolitik die Wirtschaft zu revitalisieren.“

Man muss diese Sätze auf der Zunge zergehen lassen, um zu ahnen, wie viel platte und plumpe Ideologie dahintersteht. Man kann die Wachstumsschwäche nicht durch „mehr öffentliche Investitionen Überwinden“. Aber was ist „mehr“? Eine Milliarde, hundert Milliarden oder vielleicht gar tausend? Müsste man nicht fragen, wie groß das Problem ist, das gelöst werden soll, bevor man sagt, wie viel man dafür braucht und wie viel „mehr“ denn ausreichen könnte? Rürup argumentiert wie ein Handwerker, der ein Regal befestigen soll, aber nur Schrauben hat, die zu klein sind. Daraus folgert er, das Regal lasse sich einfach nicht befestigen.

Schon weiß er, dass keynesianische Konjunkturpolitik, die in Deutschland seit 40 oder 50 Jahren niemand versucht hat, „versagt“. Da, nun merken wir es endlich, wollte er genau hin und hat nur einen dummen Umweg gewählt. „Klassische Angebotspolitik“ ist natürlich die Lösung, wenn man sich dem logischen Denken konsequent verweigert (wie hier gezeigt). Noch niemals ist eine Wirtschaft mit einer solchen Politik „revitalisiert“ worden, wenn man die merkantilistischen Fälle ausschließt, wo man die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten der Handelspartner verbessert, also real abgewertet hat. Wenn man eine (reale) Abwertung (Rürup spricht nur über Abwertung, aber über Lohnsenkung in einer Währungsunion natürlich nicht) ausschließt, ist es schlicht unmöglich, mit Angebotspolitik eine Wirtschaft zu beleben. 

Man sieht an einem solchen Beispiel, wie fest die ideologische Mauer steht. Man schert sich nicht um Logik oder empirische Ergebnisse. Nur die Festigung der Mainstreamideologie zählt. Man entblödet sich nicht, dem Publikum absoluten Schwachsinn vorzusetzen, wenn es nur in die „richtige Richtung geht. Und man kann natürlich nicht „Chefökonom“ des Handelsblatts sein, wenn einem diese Richtung nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist.