Gefährliche und kriminelle Spekulation: Zwei weitere Anmerkungen zur aktuellen Spekulation mit Rohstoffen

Inzwischen wird weltweit genau die Seite aus der Financial Times diskutiert, auf die ich gestern hingewiesen hatte. 

Der Hauptgrund dafür ist aber nicht, dass man erkennt, wie zufällig Preise an spekulativen Märkten gebildet werden und wie gefährlich das ist, sondern die Tatsache, dass es neben der üblichen schrecklichen Spekulation (die gar kein Thema ist) auch noch kriminelle Spekulation gab. 

In der Tat gab es verdächtige Transaktionen, die nicht unmittelbar nach, sondern schon Minuten vor der Verkündung von Donald Trump abgewickelt wurden. Etwa für 500 Millionen US-Dollar wurden Käufe und Verkäufe abgewickelt bevor der eigentliche Kursrutsch bzw. Kursanstieg passierte. Marktteilnehmer haben Rohstoffderivate (mit denen man üblicherweise Geld verdient, wenn die Kurse steigen) verkauft und Aktien gekauft, weil sie ziemlich genau wussten, wie die großen globalen Märkte auf die Ankündigung von Trump reagieren würden. 

Das ist ein starkes Indiz für Insiderhandel, also Handel, der unfair und strafbar ist, weil sich (zufälligerweise) wissende Akteuren auf Kosten der Masse der Unwissenden bereichern. Diejenigen, die auf der Gegenseite standen, haben exakt genau so viel Verlust gemacht wie die Insider Gewinne. Es geht ja um eine Wette, bei der der eine immer gewinnt, was ein anderer verliert.

Da diese Transaktionen über Börsen ausgeführt werden, an denen nur Händler agieren, die registriert sind, muss es eigentlich für die Aufsichtsbehörden (die amerikanische SEC) ein Leichtes sein, herauszufinden, wer diese Transaktionen durchgeführt hat. Ob sich damit die eigentlichen Hintermänner (die Informationsgeber) enttarnen lassen, ist allerdings fraglich, weil derjenige, der ein so auffälliges Manöver durchführt, sicher vorher schon vieles unternommen hat, um den Weg der Information (aus dem Weißen Haus zu den Händlern) zu verschleiern.

Die zweite Anmerkung betrifft die von Lesern oft gestellte Frage, was man politisch gegen die finanzialisierte Rohstoffspekulation tun kann. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass man sie einfach verbieten kann. Man kann klare Bedingungen formulieren, die eine Person berechtigen, mit Rohstoffen zu handeln oder eben nicht. Am einfachsten ist es, die Bedingungen so zu setzen, dass jeder, der Rohstoffe kauft oder verkauft, nachweisen muss, dass er die Lagerkapazitäten hat, um die Rohstoffe physisch zu übernehmen oder zu liefern. Aber auch viele andere Schranken in Sachen Transaktionsvolumen (sogenannte Position Limits z.B.) oder in Sachen Ausbildung und Herkunft der Händler sind denkbar. Gäbe es den politischen Willen, wäre es ein leichtes, den Sumpf dieser Spekulation auszutrocknen. Dass dieses Wetten keinerlei volkswirtschaftlichen Nutzen hat, sondern nur Schaden anrichtet, ist offensichtlich.