Preisniveau und Preissteigerungsrate

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich so komische Unterscheidungen mache, wie etwa Inflation und Preissteigerungsrate. Auch sagen viele Leute, dass insbesondere die Preise für Lebensmittel immer noch hoch sind, weswegen sich die Inflationsrate gar nicht vermindert haben könne. 

An einem aktuellen Beispiel kann man leicht zeigen, wo die Unterschiede liegen und wo die Konfusion herkommt. Die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten neuen Zahlen für die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise zeigen einen eindeutigen Verlauf (Abbildung). Was hier abgebildet ist, nennt man einen Index, also eine Zahlenreihe, die eine feste Basis hat, in diesem Fall ist 2020 gleich einhundert gesetzt. Ein Index bildet ein Niveau ab, das man jederzeit mit der Basis oder vorhergehenden Werten vergleichen kann.

Zwischen 2021 und Mitte 2022 sind die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise gestiegen. Das war die Phase, die vielfach als „Inflation“ bezeichnet wird. Es gab verschiedene Angebotsschocks, die zu einer Verknappung führten oder, was man nie vergessen darf, Spekulation mit Rohstoffen begünstigten. 

Mit Inflation im herkömmlichen Wortsinn hat das allerdings nichts zu tun, weil es nur einen kleinen Ausschnitt aller Preise betrifft und weil es eindeutig temporär war. Erst wenn sich solche kleinen Schocks in der gesamten Breite der Volkswirtschaft durchsetzen und die Inflationsrate nicht nur einmal steigt, sondern dazu tendiert, immer weiter und mit zunehmenden Zuwachsraten zu steigen, sollte man von Inflation sprechen. Es ist sinnlos und problematisch, bei jeder Preissteigerung von Inflation zu sprechen (wie es gerade wieder viele tun), weil uns dann ein Wort für echte Inflation fehlt.

Seit dem Herbst 2022 schon sind diese landwirtschaftlichen Preise absolut stabil, sie entwickeln sich praktisch nur noch seitwärts. Sie haben folglich nicht zu Preissteigerungsraten, die es seitdem ja immer noch geben hat, beigetragen. 

Seit Anfang 2025 hat sich noch einmal eine neue Bewegungsrichtung durchgesetzt. Diese Preise fallen seitdem. Sie haben zwar noch nicht das Niveau von 2021 wieder erreicht, aber im Januar dieses Jahres waren sie schon zehn Prozent niedriger als im Januar 2025. Das könnte man Deflation nennen. Das wäre aber genauso sinnlos, wie im obigen Fall jede Preiserhöhung als Inflation zu bezeichnen.

In übrigen ist diese schöne neue Welt fallender Lebensmittelpreise (auf der Erzeugerstufe) schon wieder in Gefahr. Der völkerrechtswidrige amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran kann sehr schnell zunichte machen, was an Normalisierung in diesem Bereich in den letzten Jahren gelungen ist.