Am vergangenen Freitagmorgen wartete ich gespannt auf die vom Statistischen Bundesamt für diesen Tag angekündigten neuen Zahlen zum Auftragseingang beim verarbeiteten Gewerbe. Es war zu erwarten, dass es nach den zwei starken Monaten November und Dezember eine deutliche Korrektur nach unten geben würde. Ein Minus von 4,5 Prozent hatten „Experten“ laut Handelsblatt erwartet.
Verschobene Zahlen
Doch die Zahlen gab es nicht. „Verschoben“ auf den heutigen Montag verkündete das Amt am Freitag ohne jegliche Begründung. Honi soit qui mal y pense (ein Schuft, wer Böses dabei denkt), sagt man im Französischen. Ich war ein Schuft. Wenn die Veröffentlichung von wichtigen Zahlen an einem Freitag vor einer Wahl plötzlich auf die Zeit nach der Wahl verschoben wird, muss man einfach vermuten, dass die Zahlen so schlecht sind, dass man sie dem Wahlvolk lieber vorenthält.
Und genau so ist es. Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind von Dezember auf Januar um geschlagene 11 Prozent gesunken. Das ist ein wirklich herber Rückschlag, nachdem es in den letzten Monaten des vergangenen Jahres, vor allem bedingt durch Großaufträge aus dem militärischen Bereich, so aussah, als würde sich die deutsche Wirtschaft leicht erholen. Klar, dass niemand in der Regierung, die ihre Rüstungsaufträge schließlich heftig abgefeiert hat, es für angemessen hielt, dem Wahlvolk kurz vor einer wichtigen Entscheidung, die Stimmung zu verderben.
Hätten die Baden-Württemberger auf mich gehört, hätte sie das allerdings sowieso nicht beeindruckt. Es war immer klar, dass die Wirtschaft mit Großaufträgen alleine nicht über die Runden kommt. Nichts ist weniger nachhaltig im ökonomischen und im ökologischen Sinn als Rüstung. Betrachtet man die Kurve des Auftragseinganges ohne Großaufträge (Abbildung), zeigt sich, was immer klar war: Der Aufschwung ist eine Illusion. Auch die industrielle Produktion, die ebenfalls heute (allerdings ohne Verschiebung) veröffentlicht wurde, sinkt im Januar und verharrt auf einem Indexstand von 90 bei einer Basis, die das Jahr 2021 als 100 setzt.
Abbildung: Auftragseingang ohne Großaufträge

Man fragt sich, ob die SPD als Regierungspartei wohl unter die Fünf-Prozent-Hürde gestürzt wäre, hätten die Wähler die neuesten Zahlen gekannt. Es spielt aber auch keine große Rolle. Die Partei ist mit einer Halbierung ihrer Prozente und mit der Tuchfühlung an den fünf Prozent so katastrophal abgestraft, dass die gesamte Führung das Handtuch werfen müsste und nicht nur der arme Kandidat im Südwesten. Ich will nicht wiederholen, was ich am Freitag geschrieben habe, aber wenn 5,5 Prozent in einem der größten Bundesländer für die Sozialdemokraten kein Weckruf sind, dann ist die traditionsreiche Partei endgültig verloren.
Alternativlose Politik?
Aber auch jenseits der SPD ist das Ergebnis in Baden-Württemberg erschreckend. Man muss sich einmal vorstellen, dass glatte 50 Prozent der Wähler der AfD und der CDU ihre Stimme gegeben haben. Nimmt man hinzu, dass auch die Özdemir-Partei stockkonservativ ist, dann liegen die paar Krümel, die für eine andere Sozial-und Wirtschaftspolitik eintreten könnten, bei weniger als zehn Prozent. Nimmt man noch Bayern und Hessen hinzu, ist der gesamte Süden Deutschlands auf einem Trip ins Nirgendwo. Da gilt dann Angela Merkels Lieblingsspruch, dass ihre Politik alternativlos ist. Aber sie ist nicht alternativlos, weil es keine Alternativen gäbe, sondern nur deswegen, weil es de facto keine mehr gibt.
Das heißt aber auch, dass Deutschland verloren ist und Europa mit in den Abgrund zieht. Mit einer SPD in der Bundesregierung, die dahinsiecht, und starken Ländern, die superkonservativ sind, kann Deutschland die Wende hin zu einer erfolgreichen europäischen Politik nicht schaffen. Schon die am Horizont erscheinende neu Ölpreiskrise wird das jedermann mit klarem Verstand in letzter Klarheit zeigen.