Eine Leserin weist mich darauf hin, dass es vor einigen Monaten eine Dokumentation bei ARTE gegeben hat, in der ein Historiker (Alexander Nützenadel) – wieder einmal – die These aufstellt, es sei vor allem Nachholbedarf gewesen, der den Aufholprozess nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz Europa erklärt (zu finden gleich am Anfang des Videos). Diese These ist nicht neu. Im Jahr 2014 hat der berühmte Heinreich August Winkler schon einmal den „Nachholbedarf“ bemüht und allen Ernstes die These aufgestellt, ohne den Zweiten Weltkrieg hätte es das deutsche „Wirtschaftswunder“ nicht gegeben.
Historiker, die sich an solchen Erklärungen versuchen, liegen systematisch daneben, weil es Zusammenhänge gibt, die nicht einmal die große Mehrheit der Ökonomen sieht. Einem Historiker fehlt naturgemäß der theoretische Hintergrund zum Verständnis der komplexen globalen Vorgänge, um die es hier geht.
Vor zehn Jahren habe ich in einem kurzen Vortrag (mit langer Diskussion) in Regensburg gezeigt, warum die These vom Nachholbedarf falsch ist und in welche Richtung man suchen muss. Ich verweise jetzt zudem auf den Abschnitt 1.14 meines Grundlagenbuches, wo es zusätzlich zu der Erklärung starke empirische Belege dafür gibt, dass das Geheimnis auf ganz andere Weise zu lüften ist.
Hier das entscheidende Bild:
