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Deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik, Europa und die Währungsunion

Konjunktur und Nachfrage, die unbekannten Fakten

Die Diskussion in Deutschland über die „Reformen“ geht unvermindert weiter. Niemand will zur Kenntnis nehmen, was offensichtlich ist: Nicht Reformen sind das Problem der Wirtschaft, sondern ein eklatanter Mangel an Nachfrage. Und das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa (Abbildung 1). Wenn alle sparen, droht der Euroraum rasch in eine erneute Rezession zu geraten.

Abbildung 1

Die Industrieproduktion im Euroraum lag im August 2026 bei einem Indexwert von 95, das ist ganz nahe bei den Tiefstwerten, die in diesem Jahrzehnt (nach Corona) im Jahr 2024 erreicht worden waren, nachdem die EZB ihr Exempel in Sachen „Inflation“ statuiert hatte. Da sie derzeit die Zinsen wieder erhöht, steigt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Rückschlages.

In Deutschland sieht es noch weit schlechter aus (Abbildung 2). Die Industrieproduktion sinkt seit Beginn des Jahres 2023 nahezu kontinuierlich. Und die Auftragseingänge (mit und ohne Großaufträge) zeigen mit letzter Klarheit, dass es sich hier um ein Nachfrageproblem handelt und um sonst gar nichts. Mehr als 15 Prozent liegen sie derzeit unter dem Niveau von Anfang 2022.

Abbildung 2

Das wird in der öffentlichen Debatte nicht einmal zur Kenntnis genommen. Man hangelt sich an Prognosen und allerlei Umfragen entlang, um zu beweisen, was nicht zu beweisen ist, nämlich, dass sich Deutschland bereits aus der Talsohle emporgearbeitet hat. Man muss nur eine Veranstaltung wie den Arbeitgebertag in der vergangenen Woche via Schlagzeilen verfolgen, um zu sehen, dass sich weder die Politik (hier die Rede des Bundeskanzlers) noch die Arbeitgeber von ihren Reformvorurteilen (die ich hier ausführlich beschrieben habe) lösen können. 

Auch die gerade in den Medien verbreiteten Pläne von VW, die Löhne in großen Teilen des Konzerns bis 2030 einzufrieren, wären für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ein massiver Rückschlag, wenn sie umgesetzt würden. Andere Arbeitgeber müssten folgen und die Auswirkungen auf die Inlandsnachfrage wären verheerend. 

Wenn es nach der Phalanx der Unternehmer, der Unwissenden und der hausväterlich Voreingenommenen geht, ist Angebotspolitik weiterhin das Gebot der Stunde. Logik kennen sie nicht, sondern nur den Blick in ihren Vorgarten. Was dort richtig ist, kann woanders nicht falsch sein. 

Man sieht, wenn man einer Gesellschaft von Seiten der Politik, der Medien und der sogenannten Experten einmal die falsche Rezeptur („Reformen des Sozialsystems“) eingebläut hat, gibt es keinen Weg zurück. Selbst offenkundige Fakten werden ignoriert und jeder, der widerspricht, wird zur Seite geschoben. Wie bei den berühmten Lemmingen geht es Richtung Klippe und jeder, der die Massen antreibt, fühlt sich wie der Retter des Vaterlandes.