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Deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik

Gemeinschaftsdiagnose im Herbst 2026 – wie man sich selbst intellektuell ins Bein schießt

Die GD ist ein Phänomen, aber nein, ich meine ihre Mitarbeiter. Die schaffen es nämlich, die ganze einfache makroökonomische Wahrheit in eine Tabelle zu packen, ist die Tabelle jedoch erstellt, stellen sie sofort das Denken ein.

Es lohnt, die Tabelle einmal genau anzuschauen. Laden Sie bitte die Langfassung des Gutachtens.

Scrollen sie ganz nach unten auf die Seite 85. Dort finden sie eine Tabelle, die heißt „Hauptaggregate der Sektoren“. Wenn Sie in der Tabelle für 2026 (das ist einfach die erste) ziemlich weit nach unten gehen, finden Sie das, worüber auf dieser Seite mehr als irgendwo geredet wird, nämlich die „Finanzierungssalden“ der Sektoren, also die Zahlen, die zeigen wie hoch Saldo von Ausgaben und Einnahmen des jeweiligen Sektors ist.

Für 2026 weist die Tabelle einen Einnahmeüberschuss (Sparen) der privaten Haushalte von fast 300 Milliarden Euro aus. Für die Unternehmen wird erwartet, dass sie 86 Mrd. Euro Überschuss machen. Das sind fast 400 Mrd., die der Volkwirtschaft in diesem Jahr an Nachfrage fehlen.

Wer gleicht das aus? Jetzt kommen die übrigen zwei Bereiche ins Spiel, der Staat und das Ausland. Beide werden nach der Erwartung der GD fast identische Defizite machen, also mehr ausgeben als einnehmen. Bei beiden stehen dafür 192 Milliarden zu Buche. Das heißt, etwa die Hälfte der deutschen Nachfragelücke wird vom Ausland geschlossen, die andere Hälfte schließt der Staat.

Für 2027 (auf der nächsten Seite) wird die Lage noch schwieriger. Die Institute erwarten einen Anstieg der unternehmerischen Ersparnis auf 130 Mrd. und bei den privaten Haushalten auf über 300 Mrd. Folglich müssen auch die Defizite deutlich ansteigen. Die Institute “lösen“ das Problem, in dem sie dem Ausland „auferlegen“, noch höhere Schulden zu machen. Aber auch das Staatsdefizit steigt.

Die Bewertung der Institute ist mehr als unverständlich, ja, geradezu absurd. Sie scheiben von einer „Finanzpolitik auf Abwegen“. Wo ist der Abweg? Der Staat kontrolliert weder die Sparentscheidungen der privaten Haushalte noch die der privaten Unternehmen. Folglich ist er mit deren Nachfragelücke konfrontiert, ob er will oder nicht. Auch auf die Entscheidungen des Auslandes hat er keinen Zugriff. Wenn sich das Defizit des Auslandes abzeichnet, muss der Staat abschätzen, ob dieses Defizit ausreicht, die Nachfragelücke zu schließen. Zeichnet sich wie derzeit ab, dass das niemals der Fall ist, kann er die Wirtschaft nur in eine Rezession fallen lassen (was am Ende auch wieder zu höheren Staatsdefiziten führt) oder selbst die Lücke schließen.

So einfach ist das. Aber die ideologischen Barrieren der Institute sind so hoch, dass sie nicht einmal auf die Idee kommen, diese zentralen Zusammenhänge zu erörtern.