Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt: Eine einfache Graphik, eine einfache Erkenntnis

In diesen Tagen erscheinen wieder viele Informationen auf dem Meinungsmarkt, die den Eindruck erwecken, mit der deutschen Wirtschaft ginge es allmählich bergauf. Einige Stimmungsindikatoren haben sich verbessert und das Statistische Bundesamt hat verkündet, die deutsche Wirtschaft sei auch im zweiten Quartal und damit zwei Quartale hintereinander gewachsen. So einfach ist es allerdings nicht.

Die Stimmungsindikatoren sind extrem anfällig für politische Meldungen und die immer wieder neu aufkeimenden Hoffnungen, wenigstens die Auseinandersetzung der USA mit dem Iran könnte bald beigelegt werden. Das, was das Bundesamt in Sachen Wachstum meldet, ist chronisch unzuverlässig, weil dem Amt allzu oft die Phantasie durchgeht (wie z. B. hier gezeigt). Schon die Zuwachsrate von 0,4 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres findet sich in keiner Produktionsstatistik und muss daher massiv angezweifelt werden. Aber auch für die 0,2 Prozent für das zweite Quartal müssten die Zahlen für den Juni, die erst Ende nächster Woche veröffentlicht werden, sich als sehr gut erweisen. 

Gegen einen sehr guten Juni sprechen allerdings die Zahlen für die Entwicklung der Erwerbstätigkeit, die heute herausgekommen sind (Abbildung). 

Die Zahl der Erwerbstätigen ist im Juni dieses Jahres „saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 23 000 Personen (-0,1 %)“ gefallen. „Von Januar bis Mai 2026 war sie gegenüber dem jeweiligen Vormonat durchschnittlich um 19 000 Personen gefallen“. Das ist eine eindeutige Botschaft. Die Beschäftigung sinkt und das steht in klarem Gegensatz zu allen Besserungsmeldungen, die durch die Medien rauschen. Auch die Zahl der Arbeitslosen (die allerdings als Indikator weit weniger verlässlich ist) ist, wie heute ebenfalls von der Bundesagentur gemeldet, im Juli gestiegen.

Die obige Originalabbildung des Bundesamtes zeigt sonnenklar, dass sich die deutsche Wirtschaft seit Beginn des Jahres 2022 in einer Abwärtsbewegung befindet. Erst ist die Zahl der Beschäftigten weniger stark gestiegen als zuvor, dann stagnierte sie Ende des Jahres 2024 und seit Beginn des Jahres 2025 sinkt sie fast durchgängig mit zunehmender Stärke.

Erst wenn in dieser Graphik die blauen Balken wieder über null liegen und aufwärts zeigen, kann man von einem Aufschwung sprechen, alles andere ist Schall und Rauch. Die Regierung Merz ist im Mai 2025 vereidigt worden. Seitdem geht es nur bergab. Wann wird der erste Verantwortliche in Berlin merken, dass ein Patient, der immer kränker wird, die falsche Behandlung bekommt?