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Europa und die Währungsunion

Warum Spanien erfolgreich ist und Deutschland nicht – eine ergebnisoffene Analyse (Teil 2)

Im ersten Teil dieser kleinen Serie haben wir gesehen, dass Spanien nicht unbedingt deswegen erfolgreich ist, weil – wie oft vermutet wird – die Löhne dort stärker gestiegen sind als in den anderen großen Ländern der Währungsunion. Nun geht es darum, die Kräfte zu identifizieren, die für die weitaus bessere Wirtschaftsentwicklung in Spanien verantwortlich sind.

Das Vorgehen ist einfach: Wir überprüfen die anderen großen Verwendungsbereiche des Bruttoinlandsprodukts, also die Investitionen, den Verbrauch des Staates und den Außenhandel (Abbildung 1). Das Ergebnis ist ziemlich klar: Es sind die Investitionen und der Staatsverbrauch, die sich in Spanien weit besser entwickeln als in Deutschland und Frankreich. Außergewöhnlich auch die Investitionsentwicklung in Italien. Das Land hängt Deutschland und Frankreich und sogar das erfolgreiche Spanien bei weitem ab. 

Abbildung 1 (die Graphiken wurden mit Hilfe von KI erstellt)

Auch beim Staatsverbrauch liegt Spanien vorne, während Italien und Frankreich deutlich abfallen. Deutschland holt hier auf, kann aber den Wert Spaniens nicht erreichen. Frankreich und Italien bleiben zurück. Es ist mehr als erstaunlich, dass Italien bei den Investitionen so stark expandiert, während alle anderen Bereiche wenig auffällig sind. 

Die Auswirkungen der globalen Verschiebungen im Außenhandel sind auch in diesen Graphiken deutlich zu erkennen. Deutschland, wo der Export ein besonders großes Gewicht hat, muss seit 2022 deutliche Einbußen beim Export verkraften, während in Spanien und in Frankreich noch deutliche Zuwachsraten zu verzeichnen sind. Gleichzeitig steigen die Importe in Deutschland sehr stark.

Die Aufgliederung der Bruttoinvestitionen in öffentliche und private Investitionen bringt weitere wichtige Erkenntnisse (Abbildung 2). Italien schafft es in dem hier verwendeten Zeitraum seit 2017, seine öffentlichen Investitionen glatt zu verdoppeln. Auch in Spanien gibt es eine außergewöhnliche Dynamik in diesem Bereich. Die privaten Investitionen bleiben dagegen deutlich zurück. Immerhin aber sind in Spanien und in Italien auch die privaten Investitionen seit 2022 deutlich gestiegen, während sie in Deutschland und Frankreich sinken. Offensichtlich ist es den beiden Ländern ganz im Süden Europas gelungen, die verschiedenen europäischen Finanzhilfen, die im Zuge der Corona-Krise entstanden sind, rasch und effektiv für eine enorme Zunahme der öffentlichen Investitionstätigkeit zu nutzen. 

Abbildung 2

Damit haben wir ein sehr plausibles vorläufiges Ergebnis: Maßgeblich für die gute Entwicklung in Spanien ist ganz unmittelbar der Staat. Auch in Italien ist das unbestreitbar. Weil die beiden Länder von der Corona-Krise weitaus am stärksten negativ betroffen waren, hat sich die Europäische Gemeinschaft im Jahr 2020 entschlossen, diesen beiden Ländern ganz besonders zu helfen, und man hat ihnen folglich die mit Abstand höchsten Zuschüsse zugewiesen. Heute sehen wir, dass diese Hilfen enorme positive Wirkungen hatten. 

Dass Italien im Gesamtergebnis nicht so gut abschneidet wie Spanien, hat dann aber doch wieder mit der Lohnpolitik zu tun, mit der wir gestartet waren. Weil, wie in Teil 1 gezeigt, in Italien die Löhne sanken und der private Verbrauch die schwächste Nachfragekomponente war, während Spanien hier nach der Corona-Krise eine große positive Dynamik entfaltete, addierten sich in Spanien die positiven Effekte. Dagegen zog der schwache private Verbrauch die italienische Gesamtleistung deutlich nach unten.

Die Lehren für Deutschland sind naheliegend: Wenn man eine große nachfrageseitige Belastung zu verkraften hat, wie das bei Deutschland von Seiten des Exports der Fall ist, muss man nachfrageseitig gegensteuern. Das geschieht zwar infolge der steigenden Ausgaben für militärische Zwecke und den Investitionsfonds, aber die Dimension stimmt nicht. Insgesamt sind die neuen schuldenfinanzierten Ausgaben bei weitem nicht ausreichend, den Rückgang im Außenhandel und die enorme private Investitionsschwäche in Deutschland auszugleichen. Weil gleichzeitig noch im Staatshaushalt massiv konsolidiert wird und die „Reformen“ genau in die falsche Richtung gehen, kommt Deutschland nicht von der Stelle.