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Europa und die Währungsunion

Warum Spanien erfolgreich ist und Deutschland nicht – eine ergebnisoffene Analyse (Teil 1)

In einem langen Artikel spanischer Autoren, von dem eine Kurzfassung im Magazin Surplus erscheinen ist, wird dem spanischen Erfolg nachgegangen, der Tatsache nämlich, dass Spanien seit einigen Jahren ein sehr regelmäßiges Wachstum des BIP von über 2 ½ Prozent aufweist, während Deutschland bestenfalls stagniert und die beiden anderen großen Länder ebenfalls nur weit schwächer von der Stelle kommen. 

In dem Artikel wird behauptet, es sei unter anderem die spanische Lohnpolitik, die für den Erfolg gesorgt habe. In Spanien sei der Mindestlohn von der Regierung (Sanchez seit 2018) deutlich angehoben worden und die übrigen Löhne seien gefolgt. Das wäre ein schönes Beispiel dafür, wie man mit einer vernünftigen Lohnpolitik erfolgreiche Wirtschaftspolitik betreibt. 

Doch so einfach sind die Dinge leider nicht. In einem ersten Schritt habe ich die Lohnentwicklung und die Entwicklung des privaten Verbrauchs in Spanien mit denen in Deutschland, Italien und Frankreich seit 2017 verglichen. Es zeigt sich (die beiden oberen Abbildungen), dass Spanien durchaus eine Lohnentwicklung aufweist, die deutlich dynamischer verläuft als in Frankreich und Italien, aber keineswegs dynamischer als in Deutschland.

Abbildung 1 (mit Hilfe von KI erstellt)

In nominaler wie in realer Rechnung (unterschiedliche Maßstäbe beachten!) steigen die spanischen Löhne pro Stunde über den gesamten Zeitraum gesehen exakt so stark wie in Deutschland. Frankreich und Italien fallen deutlich zurück und erleben in realer Rechnung sogar absolute Einbußen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob und wie sich diese Lohnentwicklung auf den privaten Verbrauch auswirkt. Hier zeigt sich, dass in Spanien (und Italien) der private Verbrauch während des Corona-Schocks sehr viel stärker eingebrochen ist als in Deutschland, aber in Spanien inzwischen enorm aufgeholt hat. Im vergangenen Jahr lag der private Verbrauch jedoch nur gleichauf mit Deutschland und Frankreich. In Frankreich muss man die positive Entwicklung des privaten Verbrauchs wohl mit dem Versuch des Großteils der Haushalte erklären, trotz Einkommenseinbußen den Lebensstandard durch vermindertes Sparen auszugleichen.

Man muss an dieser Stelle allerdings konstatieren, dass man aus dem Verlauf des privaten Verbrauchs nicht ohne weiteres auf den Verlauf des BIP schließen kann. Wie das rechte untere Bild zeigt, hat sich die Entwicklung des spanischen BIP, die ebenfalls von einem tiefen Einbruch zur Corona-Zeit geprägt war, doch schon seit 2022 von der in Deutschland gelöst und es hat auch Frankreich klar hinter sich gelassen. Die Löhne und der private Verbrauch reichen zur Erklärung dieser Entwicklung sicher nicht aus.

Ich habe diese Serie bewusst ergebnisoffen genannt, weil ich Stand heute auch noch nicht weiß, was die Gründe für den spanischen Erfolg sind. Ich werde mich nun Schritt für Schritt mit Hilfe meiner KI vortasten und nach Gründen für das „spanische Wunder“ suchen. In den nächsten Tagen sollten wir alle mehr wissen.